Perlmütter
Auf dem Parkplatzdeck einer Tankstelle verteilt liegen sie. Die Perlmütter. Eine vielköpfige Gestalt, nackt, mit hervorquellendem Vulvahaar und runzliger Haut. Sie sind vor der Gewalt, denen sie in der Muschel ausgesetzt waren, geflohen und sind nun erst einmal in Sicherheit. Bloß - was wenn der Preis für diese Sicherheit die Unsichtbarkeit ist?
Der lyrische Kurzprosatext "Perlmütter" beschäftigt sich mit der organischen Struktur des Perlmutts und fragt nach der Möglichkeit einer Übertragung dieser auf den Umgang mit Sprache: So wie die einzelnen Plättchen des Perlmutts sich konstant bewegen und ineinander verschieben, stellt auch der Text eine mäandernde Bewegung dar, ein Rütteln an der Festigkeit bestehender Bilder und Begriffe. Was gilt als monströs? Was als imaginierbar? Was ist queer, was nicht? Es sind mehr Fragen als Antworten, die der Text aufwirft und zu deren Erkundung er in einer abstrakten Bildsprache einlädt.
Seither wissen wir: keine*r sieht uns hier, seither wissen wir, wir sind sicher hier, Autobahnkreuz B5/A4.